Neu verlegte "Stolpersteine" vor dem Bürgerzentrum

Die Stolpersteinverlegung im Januar könne und dürfe nicht das Ende sein: „Sie muss der Anfang einer aktiven und dauerhaften Erinnerungskultur in Nordwalde werden.“ Das wünscht sich die SPD. Deren Ratsmitglied Jens Lücke brachte das Thema in der jüngsten Ratssitzung vor und stieß dabei auf offene Ohren bei Bürgermeister Oliver Hordt: „Ich kann das nur begrüßen.“ Er hielt bereits die von allen Ratsfraktionen organisierte Mahnwache für „ein sehr gutes Zeichen“.

Die Sozialdemokraten wollen das Thema jetzt nicht in der Versenkung verschwinden lassen. Hordt habe wichtige Akzente gesetzt, beispielsweise zur Bedeutung von Erinnerungskultur, zur Würde der Opfer oder zur Stärkung der Demokratie. „Aber Demokratie braucht mehr als einzelne Projekte – sie braucht Struktur, Kontinuität und Beteiligung“, ist die SPD überzeugt. Erinnerung sei keine Rückschau um ihrer selbst willen, sondern eine Investition in die Zukunft der Demokratie. Besonders in Zeiten, „in denen demokratische Werte zunehmend unter Druck geraten“.

Thema systematisch begleiten

Die SPD bittet den Bürgermeister, die Verwaltung und alle Fraktionen, in aktiver Erinnerungskultur eine Chance zu sehen und will den Weg gemeinsam gehen. Konkret regt sie an, das Thema über ein geeignetes Gremium wie den Ausschuss für Bildung, Kultur, Sport und gesellschaftlichen Zusammenhalt systematisch zu begleiten. Zusätzlich oder alternativ könnte ein dauerhaftes Beteiligungsformat wie eine Erinnerungswerkstatt oder ein Erinnerungsforum geschaffen werden, schlagen die Sozialdemokraten vor. Potenziale seien in Nordwalde mit dem Gemeindearchiv, dem Heimatverein, der KvG-Gesamtschule sowie engagierten Bürgerinnen und Bürgern vorhanden.

MEHR ZUM THEMA

Namen aus der Vergessenheit holen

Nordwalder halten stille Mahnwache vor der Stolpersteinverlegung

Schüler der KvG-Gesamtschule erleben Geschichte hautnah

 

Auch schwierigen Fragen will die SPD nicht aus dem Weg gehen. 2012 habe sich Nordwalde gegen die Umbenennung der Karl-Wagenfeld-Straße und der Hermann-Stehr-Straße und stattdessen für erläuternde Straßenschilder entschieden. „Die Frage, ob Kontextualisierung ausreicht oder neue Entscheidungen nötig sind, darf offen und sachlich diskutiert werden.“

Die Sozialdemokraten wollen mit gutem Beispiel vorangehen und haben Kontakt zu Dr. Malte Thießen aufgenommen. Der Historiker, Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte und Honorarprofessor an der Uni Münster habe Interesse bekundet, gemeinsam mit der Gemeinde Impulse für eine kommunale Erinnerungskultur zu entwickeln.

—————————————————————————————

…aus den Westfälischen Nachrichten