Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegen manchmal nur ein paar Radkilometer voneinander entfernt. Die Nordwalder SPD hat die Zeitreise rückwärts gemacht: Sie besichtigte erst die Zukunft des Bauhofs, die im neuen Gewerbegebiet Süd entstehen soll, und radelte dann zur Gegenwart an der Ecke Bahnhofstraße/Mühlenweg, die schon jetzt viel mehr nach Vergangenheit riecht.

Vor Ort führte Bauhofleiter Maik Dieckmann die Gruppe über das Gelände, auf dem offensichtlich ist, dass es die besten Tage hinter sich hat und Anforderungen schlicht nicht mehr richtig erfüllt. Die Umkleidekabine für die Mitarbeiterin des Bauhofs ist eher ein Kämmerlein als eine echte Umkleide. Der alte Jackenständer und der Getränkeautomat, an dem man für eine D-Mark eine Pepsi ziehen kann, wären in anderer Umgebung vielleicht Liebhaberstücke, hier verstärken sie den Eindruck, dass dieser Bauhof-Standort aus der Zeit gefallen ist.

Dabei ist zuletzt schon was passiert, das Gelände ist strukturierter als früher, die Tischlerei ist verlegt worden. Was machbar ist, sei gemacht worden, sagte Bürgermeister Oliver Hordt, der die Sozialdemokraten bei ihrer Radtour begleitete. Aber es ist allen, Verwaltung ebenso wie Politik, klar, dass die Zukunft des Bauhofs woanders liegen muss. Im Gemeinschaftsraum hängen die aktuellsten Pläne vom Neubau an der Wand. „Ein bisschen als Motivation“ für die Mitarbeitenden, erklärte Dieckmann.

Auf dem neuen Bauhof-Grundstück steht derzeit noch ein Gebäude, in dem aber niemand mehr wohnt, und das „so schnell wie möglich“ abgerissen werden soll, erklärte Hordt. Wie es dann mit dem Neubau weitergeht, ist noch nicht geklärt. Zwar hatte die Gemeinde noch im vergangenen Jahr den Bauantrag eingereicht, und die Baugenehmigung liegt mittlerweile auch vor. Das aber bedeutet nicht, dass es jetzt mit den Ausschreibungen weitergeht.

Im Vorjahr sahen die Fraktionen bereits Nachholbedarf, die schlechte finanzielle Lage der Gemeinde macht die Situation nicht einfacher. Die Verwaltung sollte zunächst Alternativen prüfen und hat das auch getan. Hordt hat Gespräche geführt, ob der Bauhof in ein anderes Bestandsgebäude ziehen könnte. Daraus hat sich letztlich aber keine geeignete Lösung ergeben.

Ob der Baukörper anders gestaltet werden könnte, ist ebenfalls untersucht worden. Eine Stahlbauweise scheidet aber wohl aus. Denn die angefragten Firmen meldeten zurück: „Die Preise für Stahl gehen durch die Decke. Was sie heute sagen, ist morgen schon falsch“, berichtete Hordt. Die Gemeinde könnte sich für einen Generalunternehmer entscheiden, günstiger wäre das aber voraussichtlich nicht.

Für den Bauhof und das Wasserwerk sind im neuen Gewerbegebiet Süd ein Hauptgebäude mit angeschlossener Fahrzeughalle, ein Salzsilo mit einer kleineren Halle für weitere Fahrzeuge und Schüttboxen geplant. Weil nicht nur der gemeindeeigene Bauhof hier angesiedelt wird, sondern auch das Wasserwerk, werden die Kosten zu ungefähr zwei Dritteln von der Gemeinde und einem Drittel von den Werken getragen. Was den Preis für den Neubau betrifft, könne so ein Vorhaben der öffentlichen Hand allein aufgrund des komplizierten Vergaberechts nicht einfach mit einem von privaten Investoren verglichen werden, merkte der Bürgermeister an.